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Ein Ritt auf dem Canyon Commuter 7.0

A thinking man's fixie.

Nachdem ich knapp zwanzig Jahre lang meinem Landers-ATB die Treue gehalten habe, habe ich mir anlässlich meines Arbeitsplatzwechsels ein neues Fahrrad besorgt. Meine Wahl fiel auf das Canyon Commuter 7.0 in der 2016er-Ausführung.

Über die technischen Daten muss man nicht viel sagen, die kann man relativ einfach beim Hersteller nachlesen. Nur ein paar Besonderheiten möchte ich hervorheben.

Die Technik

Der Gates-Riemenantrieb wird ja oft diskutiert, inwieweit er sich auf das eigentliche Radfahren auswirkt. Meiner Meinung nach merkt man den Austausch der Kette mit diesem urig aussehenden Keilriemen nicht wirklich… bis man absteigt. Denn das Zeitalter von Öl an Händen und Hosenbeinen ist nun definitiv vorbei. Und auch die Reinigung bzw. das Nachölen der Kette ist nun hinfällig: Ein feuchter Schwamm macht den Antrieb wieder flott.

Eine weitere Umstellung ist die Naben-Schaltung. Vergesst die Nabenschaltung eurer Kindheit, diese Schaltung könnt ihr auch sehr gut während des Tretens schalten – man muss nur ein bisschen den Druck aus den Pedalen nehmen. Viel wichtiger ist aber: Mit einer Nabenschaltung könnt ihr auch schalten, wenn ihr steht. Wenn man am höchsten Gang an die Ampel heranfährt um dann zu bremsen, könnt ihr danach genüsslich stehend in den kleinsten Gang schalten. Für mich war es nur eine Umstellung, nur einen Gang pro Klick hoch- bzw. runterstellen zu können, gerade in der Stadt wünscht man sich manchmal zumindest ein schnelleres Herunterschalten.

Dazu kommen zwei Scheibenbremsen, die beherzt aber kontrollierbar zugreifen. So kann man den gerade begonnenen Sprint auch schnell vor der nächsten Ampel wieder stoppen.

Die fest eingebaute Beleuchtung nebst Nabendynamo war für mich der eigentliche Attraktionspunkt. Die Beleuchtung läuft einfach dauerhaft und kann/muss nicht ein- & ausgeschaltet werden. Stattdessen kann man sich darauf verlassen, dass man einfach jederzeit mit Beleuchtung fährt. Und dank eines Standlichts leuchtet man sogar noch eine gewisse Zeit, wenn man schon gar nicht mehr fährt.

Nicht zuletzt ist ein Feature die Straßenverkehrstauglichkeit. Das Fahrrad kommt mit einer Tüte mit einem Front-, zwei Heck- sowie genügend Speichenreflektoren, dazu eine kleine Klingel. Dass diese allesamt hässlich und funktional sind, ist bei diesem Rad aber zu verzeihen – hier wird sich jeder sowieso seinen eigenen Stil zusammenpuzzeln wollen.

Lieferung & Montage

Das Fahrrad wird per Spedition geliefert. Dazu kommt der nette Service von Canyon: Bei meinem Rad gab es Lieferschwierigkeiten, die aber sofort per E-Mail mitgeteilt wurden. Und als Wiedergutmachung erhielt ich zuerst eine Mütze, dann sogar noch einen Fahrradhelm. Und netterweise wurde sogar nachträglich der inzwischen auf der Webseite verfügbare Rabatt in Höhe von €200,- auch auf meine Bestellung angewendet.

Da das Fahrrad zerlegt kommt, muss man noch ein paar Handgriffe durchführen, um es fahrbereit zu bekommen. In knapp einer Stunde ist dann aber alles montiert. Wenn man das vordere Schutzblech vor dem Vorderrad montiert, wird es möglicherweise sogar noch schneller gehen. Die Montage sieht wie folgt aus:

  1. Lenkerenden montieren.
  2. Sattel montieren.
  3. Vorderes Schutzblech und Vorderrad montieren.
  4. Pedalen anschrauben.

Der Karton eignet sich übrigens super als Transportbox für das Rad, dafür muss man dann nur die o.a. Schritte wieder rückwärts durchführen.

Wie fühlt sich das Canyon Commuter 7.0 an?

Wenn man das erste Mal sein Fahrrad zusammengebaut hat, wird man erstmal feststellen, dass man im Internet schlecht vermitteln kann, was das Rad tatsächlich ausmacht. Es wirkt tatsächlich eher klein, und wiegt auch nicht viel. Außerdem begreift man, dass die Ingenieure von Canyon mit viel Liebe das Rad möglichst simpel und schlicht ausehen lassen wollten, während sie im Inneren des Fahrrads jede technische Raffinesse versteckt haben, die ein Stadtrad so braucht.

Das Fahrrad ist sehr leicht. Zusammen mit den schmalen Slicks und der sportlichen Haltung auf dem Rad (der Lenker liegt mit Bedacht tief, aber dafür direkt im Drehpunkt der Vordergabel) spürt man gerade zu, wie das Rad einfach beschleunigen will. Und es beschleunigt wie eine Rakete. Gerade in Städten mit Stop & Go ist das eine wunderbare Eigenschaft.

Die urige Geometrie ist einerseits ein Hingucker, andererseits ein großer Vorteil. Wegen des kurzen Radstandes hat der Commuter eine unerhörte Wendigkeit. Für die Stadt ist das natürlich ideal – auf langen Geraden muss man sich dafür ein bisschen zusammennehmen.

Überhaupt sind lange Geraden und hohe Geschwindigkeiten nicht unbedingt das Metier des Commuters. Die 8-Gang-Schaltung hat sehr fein abgestimmte Gänge, mit denen man auch mühelos eine Steigung hinauf fährt – für Radrennen eignet sich das Übersetzungsverhältnis aber nicht.

Ein bisschen Umgewöhnung erfordert auch das Fahren auf Kopfsteinpflaster. Die dünnen Reifen und die nicht vorhandene Federung setzen dem ungeübten Fahrer zuerst zu… bis die Erleuchtung einsetzt: Da das Rad federleicht ist und die Haltung sowieso sehr sportlich ist, kann man ohne große Anstrengung einfach aus dem Sattel hochkommen. Im Gegensatz zu meinem alten Rad ist das deutlich weniger anstrengend.

Das Fahren mit dem Commuter ist einfach eine Freude. Beständig reizt es, mit Elan in die Pedalen zu treten und elegant um die Hindernisse der Stadt herumzukurven.

Fazit

Alles in allem ist das Canyon Commuter 7.0 das geborene Stadttier. Es beschleunigt fix, es bremst fixer, es schaltet im Stehen und ist jederzeit beleuchtet. Im Gelände wiederum hat der Commuter nichts zu suchen… aber mit einem Smart würde ja auch niemand gerne über einen Feldweg holpern.

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