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Was ein Smartphone alles überflüssig macht

Es gibt ja über Smartphones den alten Dauerwitz: „Telefonieren kann man damit auch.“ Tatsächlich ersetzen Smartphones aber inzwischen eine riesige Palette an Geräten. Zukünftigen Generationen wird man dann wahrscheinlich gar nicht mehr erklären können, dass es früher dafür separate Geräte gab.

Ob man es gut findet oder gruselig: Smartphones haben inzwischen ihrer Finger in weite Bereiche unseres Lebens ausgestreckt.

Die offensichtlichen Kandidaten

Bereits das Telefonieren selber ist spätestens seit dem Aufkommen von Smartphones deutlich anders geworden. Inzwischen kenne ich viele Menschen, die kein Festnetz-Telefon mehr besitzen. Wozu auch? Die Gesprächsqualität bei Mobiltelefonen ist genau so gut wie mit einem Festnetz-Telefon, und bei modernen Mobilverträgen macht es von den Kosten sowieso keinen Unterschied. Einhergehend damit sind auch Telefonzellen bzw. -säulen inzwischen eher selten geworden. (Und nicht, dass jemand jemals ein Funkgerät im normalen Leben mit sich herumgeschleppt hat… aber Mobiltelefone werden inzwischen so ähnlich eingesetzt.)

Nebenbei haben Smartphones ganz effizient Telefonbücher & Branchenbücher ausgemerzt. Statt jedes Jahr ein neues, dickes Papierbuch mit ellenlangen Listen von Telefonnummern ins Haus zu schleppen, reicht heute einmal der Blick ins Telefonbuch im Smartphone, oder halt in das im Smartphone integrierte Internet, um aktuell und ohne viel Suchen die Telefonnummer seines Ansprechpartners zu finden.

Aber auch der Rückzug von Armbanduhren, Stoppuhren, Kurzzeitweckern und Weckern ist auf Smartphones zurückzuführen. Neben der Tatsache, dass Smartphones ihre Uhrzeit automatisch stellen (und ggf. auch beim Zeitzonenwechsel automatisch umspringen) ist die Kombination mit einem Kalender unschlagbar.

Ach ja: Kalender. Denn die Möglichkeit, Termine einzutragen und sich auch noch daran erinnern zu lassen, machen den Smartphone-Kalender deutlich hilfreicher als den guten alten Papierkalender. Nicht zuletzt kann der Smartphone-Kalender auch an diese ganzen Geburtstage erinnern, die man in das Smartphone-Telefonbuch mit eingetragen hat. Und die Möglichkeit, sich schnell Termine zu schicken, macht das Organisieren von gemeinsamen Verabredungen deutlich einfacher.

…aber auch…

Beim Blick in die Autos um ein herum schimmert in vielen Fällen inzwischen nicht mehr das eingebaute Navigationsgerät bzw. überhaupt ein Navigationsgerät, sondern ein mit einem Saugnapf an die Windschutzscheibe geklebte Smartphone mit Google Maps bzw. Apple Maps – und leistet auch außerhalb des Autos z.B. beim Geocaching als GPS-Gerät zumindest passable Dienste. Diese kostenlose Dreingabe erfüllt seinen Zweck nicht nur genau so präzise wie ein herkömmliches Navigationsgerät, sondern kann auch noch via Internet seine Karte jederzeit aktuell halten und auch noch die Verkehrssituation herunterladen. Dementsprechend stagniert die Nachfrage bei Navigationsgeräten. Die Verkehrsnachrichten in Kombination mit dem Musikspieler des Smartphones könnten ggf. sogar langfristig das Autoradio überflüssig machen.

Musik! Nachdem MP3-Player schon CD-Player, Kassettendeck oder Schallplattenspieler zurückgedrängt haben, drängt das Smartphone nun eigenständige MP3-Player zurück. Denn beim Smartphone wird nicht nur das Abspielen von Musik möglich, sondern auch gleichzeitig sehr elegant die Frage gelöst, wie die Musik auf das Gerät kommt. Nicht zuletzt führt das nach und nach zum Aussterben von Musikläden… und Videotheken, denn auch Filme und Serien lassen sich inzwischen ganz problemlos auf einem Smartphone sehen – langfristig auch ein Problem für etabliertes Fernsehen.

Ein weiterer Trend, der dabei ist, eine ganze Industrie zu vernichten: Kameras (und Scanner) werden inzwischen ganz passabel von Smartphones ersetzt. Nicht nur ist die Leistung für viele Situation mit der einer einfachen Kamera auf Augenhöhe, das Smartphone löst das Problem der Bildverarbeitung danach: Das gerade geschossene Bild kann direkt per E-Mail oder Whatsapp versendet werden, oder landet ohne Umwege in der Dropbox. Das es im Gegensatz zu Kameras auch noch in der Lage ist, den Ort des Bildes mit abzuspeichern ist eine nette Dreingabe. Sobald Smartphones noch wasserdichter und stoßgeschützter werden, müssen sich wahrscheinlich auch Action-Cams warm anziehen.

Taschenrechner wie auch Taschenlampe sind heute ebenfalls Bestandteil eines Smartphones, zumal man sie im Gegensatz zu ihren historischen Vorbildern immer dabei hat. Um den USB-Stick zu ersetzen hat es aber noch nicht gereicht… in den wenigsten Fällen hat man das Kabel dabei, um das Smartphone in eine tragbare Festplatte zu verwandeln.

Und in der Zukunft?

Der Trend, Fahrkarten bzw. Kleingeld-Zahlungen durch Smartphone-Apps zu ersetzen, hat gerade erst begonnen. In Zügen, im ÖPNV und an Flughäfen sieht man immer öfter statt Papiertickets ein Smartphone, das vor einen Scanner gehalten wird. Aber auch die Verbreitung von kontaktlosen Bezahlterminals (z.B. bei Aldi und Lidl) eröffnet die Möglichkeit, in Zukunft statt mit einer EC-Karte einfach mit einem NFC-Smartphone zu zahlen (auch wenn aktuell Bezahlen mit dem Mobilgerät noch nicht so verbreitet ist).

Und was mit Zeitung und Büchern für das Lesen unterwegs passiert, ist auch im Moment schwer abzuschätzen. Der Verkauf von eBook-Readern stagniert… augenscheinlich geht es bei Büchern auch darum, Papier in der Hand zu halten. Bei Enzyklopädien und Nachrichten dagegen ist schon lange zu erkennen, dass das Internet mit seiner beliebig hohen Aktualität seinen Papier-Pendants langfristig das Wasser abgraben wird.

Was fehlt uns noch?

Das Hauptproblem dieses Trends ist einerseits die Bündelung in einem einzigen Gerät: Wenn dieses Gerät ausfällt, sind mit einem Schlag alle oben aufgeführten Funktionen hinfällig. Daher ist neben längerer Batterie-Lebensdauer auch die Haltbarkeit der Geräte (Wasserdichtigkeit, Stoßschutz) wichtig.

Darüber hinaus sind einige Funktionen abhängig von der Erreichbarkeit des Internets, bzw. spezieller Internet-Dienste. Dies wiederum erhöht die Anforderungen an die technische Infrastruktur. Ähnlich wie beim Ausbau von Schienenwegen, Straßen, Elektrizität und Rundfunkempfang in der Anfangszeit ihrer jeweiligen Entwicklung ist aber abzusehen, dass die Probleme von Empfang und Kapazität langfristig nicht mehr existieren werden.

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