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Was kommt nach UKW? DAB+?

In vielen europäischen Ländern und auch in Deutschland gibt es derzeit Bestrebungen, den Radioempfang über UKW einzustellen. Nachdem in Deutschland schon die Mittelwelle (MW) abgeschaltet wurde, fällt damit eines der letzten frei empfangbaren analogen Radiobänder weg.

Als Alternative gibt es das digitale DAB+. Wie genau sieht diese Alternative aus?

Was genau kann DAB+?

DAB+ wird weiterhin terrestrisch ausgestrahlt, aber digital. Darüber hinaus bietet das Radio „Zusatzdienste“:

DAB+ kann nicht nur Audiosignale, sondern auch andere Daten wie Texte, Bilder sowie interaktive Elemente übertragen. Damit haben Veranstalter die Möglichkeit, zusätzlich zu den „klassischen“ Radioprogrammen multimediale Zusatzdienste anzubieten. Diese können entweder programmbezogene Informationen übermitteln (Programme-Associated Data [PAD]) oder eigenständige Datenkanäle darstellen (Non-Programme-Associated Data [NPAD]). www.digitalradio.de

Was sind die Voraussetzungen zum Empfang von DAB+?

Tatsächlich muss zum Empfang von DAB+ ein komplett neues Radio angeschafft werden. Im Gegensatz zu der Digitalisierung bei Telefon oder TV können Altgeräte nicht mehr weiterverwendet werden, sondern landen auf dem Müll.

Und nicht zuletzt muss man auch in einer Region sein, in der man DAB+ überhaupt zuverlässig empfangen kann. Aktuell kann ich z.B. bei mir daheim wohl nur außerhalb des Hauses DAB+ empfangen.

Und was denke ich darüber?

In meinem Haushalt befinden sich vier Radios: Ein Radiowecker, das übliche Küchenradio, ein Autoradio, sowie ein kleines Notfallradio für den Fall, dass die Zombie-Apokalypse oder ein anderes Desaster über uns hereinbricht. All diese Geräte werden mit einem Schlag überflüssig.

Werde ich diese Radios durch ein DAB+-Radio ersetzen? Nein! Wozu auch? Denn tatsächlich hat sich keiner Gedanken gemacht, welche Stärken UKW hat, und welche Konkurrenz DAB+ besitzt. Hier mal aufgelistet nach Einsatzzweck:

Mein Radiowecker hat nur den Job, mich morgens mit Musik zu wecken. Ob ich dazu noch Nachrichten und Werbung höre, ist eher zweitrangig. Also ist das ein Job, den mein Smartphone genauso gut erledigen kann.

Mein Küchenradio soll ebenfalls leichte Musikberieselung bereitstellen, und Nachrichten bringen. Dieses Radio verlässt niemals die Küche… und in der Küche empfange ich auch mein heimisches WLAN. Für mich wäre es also viel sinnvoller, gleich auf das zuverlässig empfangbare WLAN zu setzen, und mir ein universales WiFi-Radio zuzulegen. Damit kann ich nicht nur die lokalen Sender empfangen, sondern auch meine Lieblingssender, die ich bei meinen vielen Umzügen zurücklassen musste.

Das Autoradio ist ein größeres Problem: Es ist mit einem proprietären System im Auto fest eingebaut. Ein Austausch ist also nicht nur teuer, sondern das Ergebnis auch deutlich weniger ansprechend als die aktuelle Lösung. Alleine die Integration der Tasten im Lenkrad zur Steuerung des Radios würde danach deutlich anders aussehen. Für Stauinformationen verlassen wir uns sowieso seit längerer Zeit schon auf Google Maps auf dem Smartphone – theoretisch kann man also die Umrüstung des Autos sparen, indem man einen kleinen Bluetooth-Lautsprecher für Musik irgendwo im Auto deponiert.

Und zuletzt das Notfallradio: Wer digitale Empfangskanäle kennt, wird öfter feststellen, dass es im Gegensatz zu analoger Übertragung den Nachteil gibt, dass eine Sendung entweder ganz oder gar nicht ankommt. Wo wir früher auf dem Fernseher ein rauschendes Bild oder im Radio einen rauschenden Ton hatten, wird man in Zukunft nur noch Signalartefakte bewundern können, die die Sendung unhörbar machen. Dafür also ein digitales Notfallradio anschaffen? Wozu, der Empfang ist möglicherweise in der Situation, in der man sich befindet, einfach zu unzuverlässig.

Nicht zuletzt ist das Argument „Zusatzdienste“ zumindest für mich überflüssig: Bisher habe ich noch nie den Drang verspürt, einen videotext-ähnlichen Dienst am Radio zu nutzen. Dafür habe ich mal schnell mein Smartphone in der Hand, wenn ich Zusatzinformationen brauche.

Der wichtigste Zusatzdienst ist für mich aktuell sowieso: Welches Lied wird gerade gespielt. Diese Information kriegt man einerseits per RDS (was exakt nur im Autoradio eingebaut ist)… oder halt über ein Smartphone.

Übrigens: Wenn wir im Wohnzimmer Radio hören wollen, spielen wir einfach ein Internetradio vom Smartphone ab, dass per Bluetooth an die Anlage geschickt wird. Ein kleiner, kostengünstiger Bluetooth-Adapter an der Anlage macht es möglich.

Fazit

Für mich persönlich würde eine Abschaltung von UKW nicht bedeuten, dass ich freudestrahlend lauter neue Empfangsgeräte anschaffe. Vielmehr würde ich auf bereits erprobte und funktionierende Systeme ausweichen, wie z.B. Internet-Radio, Musik-Streamingsdienste, meine lokale MP3-Sammlung und mobile Internet-Informationsdienste.

Tja, und in Notfällen müssen wir dann wieder auf Lautsprecherwagen hoffen.

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